vor 196 Jahren am 23.03.1823

Abschluß des Separationsreceß



Der Separationsreceß für Weißensee wird in seinen Hauptteilen abgeschlossen und vor Advokaten mit den Unterschriften von Gutsherrschaft, Kirche, Bauern und Kossäten besiegelt. In den vorangegangenen Monaten haben die Parteien bereits die alte‚ Gemengelage der Dreifelderwirtschaft, die seit Gründung des Dorfes um 1230 das Leben der Bewohnet bestimmt und sie seit dem 16.Jahrhundert erblich mit Lasten und Pflichten an die Gutsherrschaft gebunden hat, aufgehoben. Die jedem Besitzer von Hufen aus der gemeinsamen Dreifelderwirtschaft zugemessenen Flächen, die zusammenliegende Felder bilden, gehen nun rechtskräftig in die persönliche Verfügung über. Damit kann ab jetzt jeder beliebig verfahren. Damit keiner bei der Separation der Feldmark benachteiligt wurde, haben als Unparteiische die Schulzen Krüger aus Marienfelde, Schröder aus Zepernick und Noack aus Krummensee die Bodengüte der Felder geschätzt. Bei schlechter Qualität erhielten die Betroffenen als Ausgleich etwas mehr Ackerland. Nach Aufhebung der Dreifelderwirtschaft ist auch eine gemeinsame Ackerweide durch die bisher Berechtigten nicht mehr möglich. Auch sie wurden zum Ausgleich mit Land abgefunden. Wiesen und Weiden, die in der Gemarkung hätten aufgeteilt werden können, sind nicht vorhanden. Mit der Separierung der Feldmark hat das Rittergut unter Gutsherrn Pistorius seinen Ansprüchen auf Fischrechte für viele Teiche und Pfuhle entsagt. Nur einige Rechte verbleiben beim Gut, vor allem für großen See. Die anderen Fischrechte werden unter den Bauern und Kossäten aufgeteilt. Die Hofstellen der sieben teils bäuerlichen, teils kossätigen Hofbesitzer und die angrenzenden Gartenflächen an ihren Höfen erhalten durch Landzuweisungen eine einheitliche Größe. Nunmehr hat jeder Hof gleich viel Gartenland. Das Rittergut verzichtet im Gefolge der Separierung auf die bisherigen umfangreichen Dienstpflichten und die Abgaben von den drei Bauernhöfen, die zu dieser Zeit Wilhelm Heinrich Obse, Mettin. Wegener und Peter Georg Pfuhl gehören. Diese erhalten - das uneingeschränkte Besitzrecht an ihren Höfen. Sie müssen dafür dem Rittergut ein Drittel ihres Landes geben. Jeder tritt 123 Morgen und 86 Ruten an die Gutsherrschaft ab. Das Rittergut verzichtet auch auf die bisherigen Dienste und Abgaben der Kossäten, die, da sie kein Land besitzen und abgeben können, dem Gut jeder 33 Taler und acht Groschen jährlich zahlen müssen. Damit können sie sich von den alten Verpflichtungen freikaufen. Auf den Hofstellen bleiben noch allerhand reale Lasten ruhen. Ihre Ablösung durch juristische Vergleiche zieht sich bis um 1914 hin. Sie erlöschen meistens durch Ge1dzahlungen Geregelt wird auch die Dotierung des Schulzenamtes, in das die Gutsherrschaft aber nach wie vor Schulzen einsetzt (Setzschulzen, im Gegensatz zu Lehnschulzen, die von der landesherrlichen Obrigkeit mit dem Amt belehnt wurden, R.K.). Erst 1874 wird in Weißensee der erste Gemeindevorsteher gewählt. Geregelt werden auch die Leistungen für die Schule und die Pfarre. Die Küster-. und Lehrerstelle erhält zwei Morgen Acker auf dem - Schmiedeberg und zwei Morgen Garten unweit der Kirche. Hier an der Kirche entsteht ein neues Schulhaus aus Holz, das noch im Rohbau niederbrennt, vermutlich durch, Brandstiftung. Gutsherr Pistorius läßt ein neues Schulheus mit dicken Lehmwänden bauen, das wegen der Zuzüge von n Landarbeiterfamilien mit Kindern bald um eine Schulstube erweitert werden muß.

Abschluß des Separationsreceß