vor 98 Jahren am 09.10.1920

Die Deutschen NILES-Werke beschließen ihre Verlagerung nach Weißensee



Die Aktionärsversammlung der Maschinenfabrik Oberschöneweide AG beschließt die Änderung der Firmenbezeichnung in Deutsche Niles Werke AG Berlin-Weißensee und den Aufbau des Werkes an der Riebestraße, Industriebahngelände, in Weißensee. 1921 nimmt das Werk die Produktion auf Zur Geschichte der Niles AG und der Kugellagerfabrik Riebe Die Geschichte der Maschinenfabrik reicht bis 1898 zurück. Zu dieser Zeit entsteht in Oberschöneweide die Deutsche NILES-Werkzeugmaschinenfabrik AG nach technischen Mustern der Niles Tool Works in Hamilton, Bundesstaat Ohio. Ihr Zweck ist laut Gesellschaftsvertrag vom 24. August 1898 die Fabrikation und der Handel mit schweren Werkzeugmaschinen; Das neue Werk soll mithelfen, die Importe solcher Maschinen nach Deutschland zu verringern. Zu den Gründern gehören Isidor Loewe, Direktor der Ludwig Loewe & Co. AG, Generaldirektor Emil Rathenau, Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG), und Waldemar Mueller, Direktor der Dresdner Bank. 1901 beginnt in Oberschöneweide die Produktion der Maschinen. 1904 wird das Werk um eine Abteilung für Preßluftwerkzeuge erweitert. 1915 beschließen die Aktionäre wegen des Kriegseintritts der USA die Änderung des Namens in Maschinenfabrik Oberschöneweide AG, MOAG. 1919 übernimmt das Richard-Kahn-Konsortium, eine Verwaltung von Fabriken der Maschinenindustrie mit Sitz in Berlin. W 10, Königin- Augusta-Straße 49, die Aktienmehrheit der MOAG. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft mit dem größten Einfluß im Aufsichtsrat der MOAG übernimmt auch die Anlagen in Oberschöneweide und beginnt hier 1920 mit dem Aufbau einer Produktion von Transformatoren und elektrotechnischen Ausrüstungen im Rahmen einer Umstellung von Kriegs- auf Friedensbedarf Die MOAG zieht nach Weißensee und nimmt den neuen Namen an. Das neue Werksgelände am Areal der Kugellagerfabrik Riebe umfaßt rund 80.000 Quadratmeter. Die bebaute Grundfläche mit einer Fabrikationshalle, mehreren Nebenhallen und Gebäuden für Spezialabteilungen umfaßt anfangs 9.800 ‚Quadratmeter, auf denen über 350 Maschinen aufgestellt werden. Das Programm sieht wieder schwere und schwerste Werkzeugmaschinen vor, außerdem Preßluftwerkzeuge. Hauptaktionäre der Ni1es Werke Weißensee bleiben verschiedene Banken. 1920 sitzen im Aufsichtsrat Richard Kahn als Vorsitzender, Wilhelm Limberg, der Direktor der Dresdner Bank Fritz Bruck, der Ingenieur Paul Uhlich sowie die in Weißensee wohnenden Ingenieure Ernst Rehberg und Karl Achterberg. Der Absatz der Maschinen erfolgt in Deutschland und auf dem europäischen Kontinent, später weltweit. Die von dem Ingenieur Paul Uhlich initiierte Orientierung auf Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung von Zahnrädern, die ab 1921 erfolgt, verschafft der Niles AG Berlin-Weißensee binnen 10 Jahren Weltruf und eine Monopolstellung. Unter Ernst Rehfeld entwickelt sich die Preßluftabteilung zu einem der bedeutendsten Hersteller für Preßluftwerkzeuge. Die Weißenseer Kugellagerfabrik von Cstl August Riebe, der auch im Aufsichtsrat der MOAG sitzt, hat seit 1918von der Kriegs- auf die Friedensproduktion umgestellt, was mit vielen Entlassungen und einer bedeutenden Stillegung von Fabrikanlagen und -flächen einhergeht. Die Kugellagerfabrik firmiert ab 1920 als Riebe Werk AG Berlin- Weißensee. 1928 wird sie unter der Regie von Richard Kahnder schon 1921 die von seinem Konsortium verwalteten Betriebe zum sogenannten Kahn-Imperium zusammengeschlossen hat, darunter die Niles AG und das Riebe Werk, für 6.750.000 Reichsmark an die S.F.K. Nonna, eine schwedische Industriegruppe. und an die Fichtel & Sachs AG verkauft. 1929 beginnt gegen Rieberd Kahn und Genossen ein Wirtschaftsprozeß wegen Bilanzfälschungen bei diesem und anderen Verkäufen. Das Kahn-Imperium zerfällt zu dieser Zeit. Die Ni1es AG entwickelt sich weiter.

Die Deutschen NILES-Werke beschließen ihre Verlagerung nach Weißensee