"Von der Leichtigkeit des Mohns"

Diese Fotos sind in schon mehrfach ausgestellt worden. Die nächste Ausstellung findet ab dem 02.03.07 im Frei-Zeit-Haus statt.

     
     

     

 

 

 

 

 
     

„Von der Leichtigkeit des Mohns“

Die Fotos sind von mir, von Berthild Lorenz.

1965, als ich schon seit 14 Jahren die Luft in Friedrichshagen atmete, bekam ich meine erste Pouva Start. Kieken; drücken, Altstoffe sammeln, um Geld zu bekommen, Film entwickeln lassen, hoffentlich schöne Bilder ansehen, natürlich schwarz – weiß. Spannende Sache!

In den großen Ferien Laborarbeit mit Freunden, in deren Wohnung, zwischendurch nur mal einen Sprung in den gegenüber liegenden Müggelsee, verreisen hatten wir nicht nötig.

Nach dem Abschluss der 10. Klasse, während meiner Ausbildung zur Krankenschwester, hatte ich zwar ständig spannende Motive vor Augen, aber ich hab mich nicht getraut, sie zu fotografieren.

Bis 1984 mein Sohn geboren wurde, hatte die Pouva Start viele freie Tage, aber dann hatte ich DAS Motiv, meinen Sohn. Viele Bilder habe ich in der Zeit mit Kind und Hund gesammelt.

1988 fiel ich plötzlich in einem Geschäft, wie ein Brett um, meinen kleinen Sohn an der Hand, und soll gekrampft haben.

Schlimme Jahre folgten, denn mein Arbeitgeber, ein Pastor, meinte, dass er mich als Epileptiker nicht mehr gebrauchen kann. Ich klagte. Danach durfte ich, mit 5 jährigem Sohn, aus der DDR ausreisen; am 2. August 1989.

Ein halbes Jahr ohne Kamera, mitten im Bayrischen Wald, dazu viel fern – sehen, Richtung Berlin. Fluchend sah ich in Bayern, wie die Berliner Mauer dann doch fiel. Nischt wie zurück.

Klären wollte ich, kämpfte. Wegen der, als schwer eingestuften Erkrankung, hatte ich Zeit für mein Kind und einen Rauhaar – Dackel – Ziegenbock – Mix – Hund, mein Chefchen, Rex.

Für mein Kind, meinen Hund und meine Kamera, und für mich, war ich nicht zu krank, um motiviert zu sein, Motive zu finden. Meine erste Spiegelreflexkamera aus DDR Überresten, eine Praktica, kostete nur sehr wenig Westgeld, das wir ja nun alle hatten.

Einige Jahre lang lernte ich in der Fotogruppe des WIB (Streu/ Börnestraße). Heide Landschek, die das Handwerk der Fotografie von der Pike auf gelernt hat, konnte uns die Augen öffnen. Sie war es, die irgendwann meine Fotos zeigenswert fand. Ohne sie, und den harten Fotogruppenkern, hätte ich nicht immer wieder mein Bekleidungsgeld in meine und meiner Fotos Entwicklungen gesteckt.

Danke, Heide, Axel, Jörg und Katharina, meinen Entwicklungshelfern!

Ich habe in den vergangenen Jahren im WIB, im „Mach mit Museum“, im „Frauen Zeit“, im Frauenladen „Paula“, im „Freizeithaus“, in unserer neuen Bibliothek, in der AWO, im „Amtshaus Buchholz“ und im Rathaus Zepernik Bilder zeigen können. Zwei Bilder hat das Fotomagazin gezeigt.

2004 habe ich mit meinem Foto „Es geht auch so!“, beim Fotowettbewerb der Fürst Donnersmark Stiftung: Blickwechsel „Berlin durch die Hintertür“ Berlin aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen, den zweiten Platz belegt.

Trotzend, dem angeblich fest Stehenden, rüttle ich immer wieder, an beinahe allem und allen, versuche, beweglich zu bleiben, vor allem in dem, was wir Seele und Hirn nennen.

Mein Sohn hat mir von seinen ersten ertanzten und ersungenen Geldern beim „König der Löwen“ eine Kamera und Zubehör, den PC und Zubehör und Rahmen für meine Bilder geschenkt, damit ich dran bleiben kann.

Auf ihn kann ich mich fest verlassen, so, wie er sich auf mich verlassen konnte, als er Ballettschule und Musikschule bewältigte. In allen vergangenen Jahren hatten wir nur sehr wenig Geld, aber umso mehr Zeit, um gemeinsam Weißensee zu entdecken.

Zeit haben, lehrt Menschen Gefühl entwickeln, macht Sinne empfangsbereit, für Andere und Anderes, und für sich selber. Zeit ist Lebens – Not – Wendendes. Lasst sie euch nicht nehmen. Berthild Lorenz

„Von der Leichtigkeit des Mohns“

Die Mohnfotos, alle am Weißensee und in dessen näherer Umgebung aufgenommen, hängen in der Werkstatt für behinderte Menschen:

„WERGO“ - Charlottenburger Straße 140, in der Nähe des Antonplatzes, in Berlin – Weißensee.

Die Werkstatt finden Sie im Postgebäude, in der 2. Etage. Zu erreichen ist das Gebäude mit den Straßenbahnen M 4 und M 13 (Antonplatz), oder mit dem Bus 255 (Woelckpromenade).

Angesehen werden können die Bilder: Montag – Freitag von 9 – 13 Uhr und

Montag und Donnerstag von 14 – 16 Uhr

Da ich weiß, dass nicht alle Erwachsenen in Deutschland arbeitslos sind, fragte ich also nach Besichtigungsmöglichkeiten für Leute, die einer bezahlten Tätigkeit nachgehen. Die Leiterin der Einrichtung ist so nett, Termine außerhalb der Öffnungszeiten der Werkstatt, mit Sehsüchtigen, zu vereinbaren.

Ich möchte Frau Kruhoeffer an dieser Stelle recht herzlich dafür danken.

Ihr Verständnis tut mir gut.

Wenn einige Interessenten zusammenkommen, bin ich gerne bereit, die Lesung, die ich im Amtshaus Buchholz schon einmal hielt, zu wiederholen. Ich kann nur sagen: es gibt viel Spannendes über Mohn in der Literatur....

Interessenten bitte unter: 92 400 78 – 0, bei Herrn Böhmer Wünsche äußern. Berthild Lorenz