Kopfschuss-Drama auf dem Friedhof

veröffentlicht: 22.02.2008
Quelle: Berliner Kurier
Autor: M. WILMS, C. KEIKUS

Der Kommissar hatte seinen Selbstmord angekündigt. Über zwei Stunden hielt er die Pistole an den Kopf: Seine Frau und Kollegen flehten ihn an: „Tu es nicht!“. Doch der Polizist drückte ab ...

Mitte - Zum Sterben fest entschlossen. Da half kein Flehen und kein Bitten. Niemand konnte den Polizeikommissar zur Vernunft bringen. Seine Kollegen nicht und auch nicht seine Frau. Gerhard C. (36) stand nur da, neben dem schwarzen Grabstein und hielt sich seine Dienstwaffe an den Kopf. Zweieinhalb entsetzliche Stunden lang. Dann drückte er ab. Nächtliches Kopfschuss- Drama auf dem Invalidenfriedhof.

Es war ein angekündigter Tod. Eigentlich sogar eine Einladung ihm beim Sterben zuzusehen. "Ich bringe mich um", schwor Gerhard C. am Mittwoch nach Dienstende seinen Kollegen auf dem Abschnitt 19 (Weißensee). Der Polizeikommissar stieg vor der Wache an der Berliner Straße in seinen schwarzen Toyota Yaris und verschwand. Dass Gerhard C. es ernst meinte, ahnten seine Kollegen gleich. Denn mit ihm war seine Dienstwaffe, eine Sig-Sauer P6, verschwunden.

Auf der Stelle schlugen sie Alarm. Einige machten sich in ihren Streifenwagen auf die Suche. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera hob ab. Schließlich konnte keiner der Polizisten ausschließen, dass der Kommissar seine Waffe nicht auch gegen seine Frau richten würde. Denn Suzanna (Name geändert) war womöglich der Grund für den persönlichen Amok. Sie hatte Gerhard C. verlassen und war schon Weihnachten aus der gemeinsamen Wohnung in Wedding ausgezogen, sagen die Nachbarn. Bis zu diesem Tag hatte das kinderlose Paar (stammt aus Polen) eine völlig unauffällige Ehe geführt.

So begann die Tragödie, die mehr als zwei Stunden dauerte. Der Hubschrauber-Pilot entdeckte Gerhard C. nach kurzer Zeit auf dem historischen Invalidenfriedhof an der Scharnhorststraße. Gerhards Kollegen rasten zu ihm hin und brachten seine Frau gleich mit. Sie sollte helfen, ihren Mann zu überreden, sich nicht das Leben zu nehmen.

Und das versuchte sie auch. "Tu es nicht", flehte Suzanna immer wieder. Ebenso verzweifelt wie seine Kollegen. Doch sie erreichten Gerhard C. nicht mehr. Um 22.20 Uhr fiel der tödliche Schuss. Er brach zusammen, war aber nicht sofort tot. Der Kommissar C. starb in der Nacht auf dem Operations-Tisch, als die Ärzte sein Leben retten wollten.