Knobloch verurteilt «Schandtat von Weissensee»
veröffentlicht: 01.05.2008
Quelle: Tagesanzeiger
Autor:
Zum zweiten Mal in Folge haben Unbekannte nachts auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee randaliert und Grabsteine umgestürzt.
Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, verurteilte die «Schandtat von Weissensee» heute scharf. Dies sei eine «unerträgliche Herabwürdigung des Andenkens der sechs Millionen Opfer der Schoah», sagte Knobloch dem «Spiegel Online».
Die jüngsten Verwüstungen waren gestern am Morgen entdeckt worden. Nach Polizeiangaben wurden 33 Grabsteine und 19 Säulen umgekippt. Bereits in der vorangegangenen Nacht waren Steine und Stelen umgestürzt worden. Der für politisch motivierte Delikte zuständige Polizeiliche Staatsschutz führt die Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung.
Knobloch wies darauf hin, dass die Schändung ausgerechnet in der Nacht zum Gedenktag an die Vernichtung der Juden, zum Jom Haschoah, verübt worden sei: «Das sieht aus wie das Werk von Menschen, die noch heute der Geisteshaltung des Nationalsozialismus angehören.» Im vergangenen Jahr wurden nach ihren Angaben in Deutschland 30 jüdische Friedhöfe geschändet; nur vier dieser Taten hätten aufgeklärt werden können.
Der Jüdische Friedhof Berlin-Weissensee existiert seit 1880 und gilt als der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas. Auf dem 40 Hektar grossen, zum Teil malerisch überwucherten Gelände befinden sich rund 115’000 Gräber und eine Anlage zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. Viele bekannte Persönlichkeiten liegen dort begraben, darunter der Hertie-Gründer Hermann Tietz, der Maler Lesser Ury, der Verleger Samuel Fischer und der Schriftsteller Stefan Heym.