Wir sind die Enkel der Kommune I
veröffentlicht: 03.06.2008
Quelle: Bild
Autor: MARION FINK und CHRISTIAN KAHL
Ein ehemaliger Sexshop in Weißensee. 70 qm, 600 Euro Miete, großer Garten. Auf dem Rasen ein Flokati. Hier leben jetzt die Enkel von Uschi Obermaier (61) und Rainer Langhans (67), Deutschlands berühmtesten Ex-Kommunarden.
40 Jahre nach den wilden 68ern und der legendären Berliner „Kommune I“ sind die Hippies wieder da. Mit einem Unterschied: Es gibt keine freie Liebe mehr in der „Kommune II“.
Seit drei Wochen leben sie unter diesem Namen zusammen: Donja Rahimzadiany (36, entwirft Digital-Layouts), Matthias Walter (35, praktiziert Urzeit-Rituale, jobbt in der PR-Branche) und Isabella Gaiser (25, träumt vom Model-Sein).
„Wir teilen alles“, sagt Donja, „Materie, Geist und sexuelle Energie.“
Der Tag bei den Neo-Hippies beginnt um 8 Uhr. Yoga im Garten. Dann Frühstück (9 Uhr, Obst, Gemüse, keine Milchprodukte, kein Weizen!), Gesprächsrunde (12 Uhr, zum Offenbaren von Gefühlen), Arbeiten (ab 14 Uhr), Abendessen (18 Uhr, Obst, Gemüse). Um 20 Uhr der wichtigste Punkt: Tantra, „Kommune II“ vereinigt ihre Kräfte.
Kein Sex! Nur im Kreis sitzen, Händchen halten, atmen. „Ein direkter Kontakt mit dem Göttlichen“, so Matthias, „eine ganz andere Art des Orgasmus.“
Wenn sich Berlins verrückteste WG um 23 Uhr schlafen legt, geht’s unter der Decke nur zwischen Isabella und Matthias weiter. Die beiden sind ein Paar.
Von Donjas Single-Matratze trennt sie bloß ein dünner Vorhang. Türen gibt es nicht, aber Treue! „Für uns der wahre Weg in die Freiheit“, sagt Matthias.