Hartz IV-Empfängerin hat Kochbuch herausgebracht
veröffentlicht: 17.11.2008
Quelle: Märkische Allgemeine
Autor: Steffi Bey
BERLIN - Es ist keine Antwort auf den Speiseplan, den Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin kürzlich für Hartz IV-Empfänger aufgestellt hatte – wofür der SPD-Politiker anschließend heftig kritisiert wurde. Es soll auch kein Beweis sein, dass man mit wenig Geld lecker kochen kann. Das, was Martina Streibel jetzt herausgebracht hat, ist ein Kochbuch für Menschen, die gerne kochen, und für alle, die es noch für sich entdecken möchten. Weil die junge Frau selber seit sechs Jahren arbeitslos ist, legt sie viel Wert auf preiswerte Produkte, die es praktisch in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Aber sie betont: „Auch mit wenig Geld kann man sich gesund und abwechslungsreich ernähren.“
Ein wenig stolz sitzt Martina Streibel in ihrer kleinen Küche in Weißensee. Auf diesen wenigen Quadratmetern wurde in den vergangenen Monaten gearbeitet wie sonst nur in Großküchen: geschnippelt, gewogen, gebrutzelt, gerührt und gekostet. 70 Lieblingsgerichte hat sich die 35-Jährige ausgesucht. Jede Speise wurde mindestens einmal von ihr zubereitet. Anschließend liebevoll auf dem Geschirr platziert und mit der Digitalkamera abgelichtet. „Freunde und manchmal auch Nachbarn halfen mir dann beim Essen“, sagt die Tontechnikerin.
Ähnliche Abende waren auch der Auslöser für ihr aufwendiges Projekt. Schon immer bekam sie viel Lob für ihre Kochkünste und musste die Rezepte aufschreiben.
„Die Idee schwirrte schon lange in meinem Kopf herum“, sagt sie. Doch erst nach einer sechsmonatigen Marketing-Fortbildung fühlte sich Martina Streibel wirklich „gut gerüstet“, selber etwas Neues anzupacken.
Zuvor hatte sie immer wieder Tiefschläge hinnehmen müssen: Schrieb erfolglos 500 Bewerbungen, absolvierte mehrere Praktika, die aber nie zu einer Festeinstellung führten. 2007 erarbeitete sie dann ihr Kochbuch-Konzept: Wirkte selbst als Redakteurin, Lektorin, Gestalterin und Fotografin. „Es war ein toller Moment, als ich die ersten drei Probe-Exemplare nach einem Dreivierteljahr in der Hand hielt“, erzählt die Autorin. 500 Stück ließ sie insgesamt von „Hartz-haft, aber lecker“ drucken. Eine gute Freundin lieh ihr dafür Geld.
Über das Internet vertreibt sie jetzt ihr Buch. Auch bei ihrem Fleischer um die Ecke liegen einige Exemplare. Kochen hat für die junge Frau auch eine „wichtige soziale Komponente“. Zum einen könne man sich dazu mit Bekannten treffen, andererseits gebe diese regelmäßige Beschäftigung dem Tag eine Struktur.
Ihre Gerichte hat Martina Streibel genau kalkuliert und kommt auf maximal drei Euro pro Person. Nur die Festtagsspeisen sind kostspieliger. Beschrieben werden unter anderem Suppen, Gerichte mit und ohne Fleisch, eine schnelle und eine exotische Küche sowie Salate und Süßes.
Info „Hartz-haft, aber lecker“ kann unter www.hartzhaft.de bestellt werden. Preis: 8.80 Euro.